Biogas im ökologischen Landbau

Durch Biozertifizierung der Biogasanlage ergeben sich neue Absatzchancen für das Gärprodukt im ökologischen Landbau. Da konventionelle Gärprodukte und Mineraldünger dafür nicht zugelassen sind, besteht ein Nährstoffdefizit. Bio‐Biogasanlagen können somit u. a. einen wesentlichen Beitrag zur Schließung von Nährstoffkreisläufen im ökologischen Landbau leisten. 

Biozertifizierung

Je nach Bio-Verband bestehen unterschiedliche Anforderungen an das eingesetzte Substrat. Meist sind anteilsmäßig auch konventionelle Substrate zugelassen. Wir erstellen aktuell eine Übersicht dazu, die wir kurzfristig hier einbinden werden.

Fakten zum Konzept

Was es bedeutet eine Bio-Biogasanlage zu betreiben und welche Eckpunkte das Konzept hat, haben wir in einem Factsheet zusammengestellt.

Umstellungsfristen?

Die Umstellung von einer konventionellen Anlage auf eine Bio-Biogasanlage bedarf im Vergleich zum landwirtschaftlichen Betrieb keiner Umstellungsdauer. Das bedeutet, es können auch Substrate aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb eingesetzt werden, wenn dieser noch in der Umstellungszeit ist.

Praxisbeispiel

Biogasanlage Pott

In der Regel werden Bio Biogasanlagen auf landwirtschaftlichen Biohöfen betrieben, aber es geht auch anders herum, wie das Interview mit dem Betreiber einer Bio-Biogasanlage zeigt.

5 Fragen an: Herrn Pott

Was ist das Konzept der Biogasanlage?

Die Biogasanlage ist im Jahr 2010 als Betriebszweig neben der bestehenden konventionellen Landwirtschaft errichtet worden. Der ursprüngliche Betrieb wird aktuell nach Bioland-Vorgaben umgestellt. In diesem Zuge ist die Biogasanlage bereits bio-zertifiziert worden. Hauptbestandteile der Anlage sind ein Fermenter, zwei Gärproduktlager und zwei BHKW mit einer installierten Leistung von 550 kWel. Der Strom wird flexibel erzeugt mit einer Bemessungsleistung von 190 kWelund damit einer knapp dreifachen Überbauung.

Welche Informationsquellen für den Biogassektor nutzen Sie?

Zu dem Thema Bio-Biogas sind aktuell einige gute Publikationen vorhanden, dennoch ist es herausfordernd, an Informationen zu kommen. Vor Umstellung der Biogasanlage hat Herr Pott Verbände direkt angefragt. Ein Austausch mit Betreibern weiterer Bio-Biogasanlagen, am besten schon vor Umstellung der eigenen Anlage, liefert wertvolle Praxistipps.


Aus welcher Motivation wurde das Konzept gewählt?

Den ökonomischen Vorteil einer Bio-Biogasanlage sieht der Betreiber im Gärprodukt: „Es bekommt wieder einen Wert“, so Herr Pott im Interview. Bereits vor Umstellung auf einen Biobetrieb war eine Gärproduktabnahme in der Region möglich mit der Voraussetzung, die Ausbringungskosten selbst zu übernehmen. Nun holen andere Biobetriebe das Gärprodukt eigenständig ab. Zukünftig hofft der Betreiber sogar mit Einnahmen durch die Vermarktung des Gärproduktes. Höhere Substratkosten können somit kompensiert und Gärproduktkosten, die im konventionellen Betrieb anfallen würden, vermieden werden. Der Betreiber erklärt: „Eine Ausblendung steigender Kosten wird dadurch erreicht“.

Eine Zielsetzung von Herrn Pott war eine regionale Kreislaufwirtschaft, die aus der Übereinkunft mit Bio-Ackerbetrieben aus der Region realisiert werden konnte. Der Nährstoffbedarf beim Anbau wird mit einer gezielten Düngung durch das biozertifizierte Gärprodukt aus der Biogasanlage optimiert. Im Gegenzug kann Herr Pott Bio-Inputstoffe wie Biomais und extensiv angebautes Kleegras erhalten. Ein weiterer Vorteil regionaler Strukturen sind kurze Transportwege und damit geringe Kosten für Substrat- und Gärproduktlogistik. 


Welche Stolpersteine waren für das Konzept zu überwinden?

Die Vergütungsstruktur der erzeugten Bioenergie nach Umstellung auf einen Bio-Betrieb ändert sich nicht. Hier sieht Herr Pott den großen „Knackpunkt“ des Konzeptes. Es besteht keine Möglichkeit, das erzeugte Bio-Biogas einer speziell danach ausgerichteten Vermarktung zuzuführen. Somit entstehen zunächst keine direkt mit dem Konzept zusammenhängenden Mehrerträge im Vergleich zum konventionellen Biogasbetrieb. Zudem sind die biozertifizierten Substrate bei Zukauf in der Regel teurer, sodass Stromgestehungskosten nach einer Umstellung steigen können.

Außerdem kann sich die Umstellung auf Bio-Inputstoffe als Hindernis herausstellen. Für Herrn Pott war die Substratbeschaffung keine Hürde, da benachbarte Biobetriebe etwa 60 % der Einbringmasse zuliefern können. 

Der Einsatz von Kleegras hat Vorzüge wie die Stickstoffbindung beim Anbau und einen guten Energiegehalt bei der Vergärung. Trotzdem sieht der Betreiber auch Nachteile. „Die Anlage ist technisch und prozessbasiert anspruchsvoller geworden“, beschreibt Herr Pott. Kleegras kann aufgrund des hohen Proteingehaltes hemmend wirken. Außerdem kann eine Anpassung der Fütterung und Rührtechnik sinnvoll sein.


WIE GEHT´S IN ZUKUNFT WEITER?

Herr Pott sieht eine steigende Anzahl von Bio-Biogasanlagen in der Zukunft. Er prognostiziert eine vermehrte Umstellung von konventioneller zu biozertifizierter Landwirtschaft. Als Folge wird die Umstellung zur Erzeugung von Bio-Biogas gängiger werden. Für seinen Betrieb strebt er langfristig einen 100 %-igen Einsatz von Bio-Substraten an.