Güllekleinanlage mit Bestandskomponeneten

Anstelle der ursprünglichen Anlage wird eine neue Kleinanlage bis 99 kW in Betrieb genommen, auch Flexibilisierung ist möglich. Durch die Neuinbetriebnahme wird der Strom für weitere 20 Jahre nach EEG vergütet und durch den Einsatz von Wirtschaftsdünger erhöht sich die Wirtschaftlichkeit.

Mehr als nur Rindermist

Bei Wirtschaftsdünger im Bezug auf Biogas denkt man häufig zuerst an Gülle und Mist von Rindern. Das auch Pferdemist eingesetzt werden kann, zeigt dieses Praxisbeispiel aus dem Raum Hannover. In klassischen Biogasanlagen führt der phasereiche Pferdemist oftmals zu Verfahrensproblemen, hier wird Trockenfermantation im Batch-Verfahren umgesetzt.

Fakten zum Konzept

Neuinbetriebnahme bedeutet die bestehende Anlage wird im Downsizing und durch Erneuerungsmaßnahmen umgerüstet. Weitere Informationen zu den Eckdaten des Konzeptes finden sich im Fact Sheet

Broschüre der FNR

Die FNR hat dem Thema Gülle-Kleinanlage eine eigenen Broschüre gewidmet. Aufgegriffen werden hier rechtliche, technische sowie betriebswirtschaftliche Vorraussetzungen für die Umsetzung von Gülle Kleinamlagen

Rahmenbedingungen

Sonderstatus Güllekleinanlage auch im EEG 2021

Das EEG 2021 erhöht die maximale Leistung für diese Vergütungsgruppe auf 99 kW fest und ermöglicht einen Flexbetrieb in der Leistungsklasse 100 bis 150 kW, wobei hier die Bemessungsleistung auf 50% festgelegt wird. 

Leider sind die rechtlichen Bedingungen für die Umrüstung einer Bestandsanlage auf eine Gülle Kleinanlage nach EEG 2021, rechtlich noch nicht festgelegt, so dass aktuell nur eine Neuinbetriebnahme möglich ist. Im Laufe des Jahres 2021 hofft man hier auf Klarheit. Ein erster Referentenentwurf liegt seit dem 12.5.2021 vor und bietet leider viel Nachbesserungsbedarf.

NEWS 18.5.2021

Referentenentwurf zur Umsetzung des EEG 2021

Am 12.5.21 wurde der erste Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Verordnung zur Umsetzung des EEG 2021 veröffentlicht. Am 17.5.21 hat das Hauptstadtbüro Bioenergie in einer Stellungnahme die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Fazit: Das gesteckte Ziel die Vergärung von Gülle auf 70 % auszuweiten, scheint durch dieses Gesetzesvorlage eher in die Ferne zu rücken als umsetzbar. 

Aktuell sieht der Entwurf z.B. keinen Wechsel von Bestandsanlagen mit über 150 kW installierter Leistung in die Sondervergütungsklasse der Güllekleinanlage vor. Es würde lediglich die Möglichkeit der Neuinbetriebnahme (BHKW mit max 150 kW) bleiben. 

Auch in der Anschlussvergütung für Kleinanlagen sehe die Verbände Nachbesserungsbedarf. Der aktuell angekündigte Vergütungssatz von 13 ct/kWh bis 75 kW und 6 ct/kWh für 75 bis 150 kW würde keinen wirtschaftlichen Betrieb sichern.

Wirtschaftsdünger

Der Substratmix ist entscheidend für die Vergütung

Voraussetzung laut EEG 2021 ist der Einsatz von 80 % Gülle/Mist von Huf- und Klauentieren, sprich auch Pferdemist. In der Praxis zeigt sich bei der Verwertung von Pferdemist ein großzügiges Fermentervolumen als sehr hilfreich, gerade dies ist bei Bestandsanlage oft vorhanden. Pferdebetriebe sind häufig dankbar über die Abnahme von Mist, allerdings ist hier oft die Rücknahme von Substrat ein Faktor der berücksichtigt werden muss. Die Vorbehandlung des eingesetzten Mistes sollte auch die Lagerung mit einbeziehen. Es gibt in der Praxis sehr positive Erfahrungen bei der Lagerung im Silo mit vorherigem Festfahren und Abdecken. 

Praxisbeispiel Münsterland

Kooperation mit der Güllebörse

Unser Team wird einen Betreiber auf seiner Anlage besuchen und zum Konzept „Güllekleinanlage“ interviewen. Auf dieser Anlage wird ausschließlich Rindergülle, was einen Frischmasseinput von 100 % flüssigen bzw. „pumpbaren“ Einsatzstoffen bedeutet. Der Betreiber arbeitet dabei mit der Güllebörse zusammen. Was die Vorteile seines Anlagenkonzeptes sind und worauf besonders zu achten ist, werden wir in den nächsten Wochen an dieser Stelle ergänzen.